Du-bist-wunderbar-Brief #3 – für eine Frau

Angenommen-Sein ist aus meiner Sicht das größte Geschenk des Lebens. Da ich es liebe Herzens-Geschenke zu machen, schreibe ich in diesem Herbst und Winter Du-bist-wunderbar-Briefe, in denen ich Menschen, so wie sie sind, ganz annehme.

Liebe Frau,

vor einigen Tagen warst du in deiner alten Heimat. In dem Ort deiner Kindheit. Du gingst den Weg, den du schon so häufig vorher gegangen bist.

Du gingst an dem Kindergarten vorbei und erinnertest dich an die Erzieherin von damals. Du hast sie so sehr geliebt. Dir fiel wieder ein, wie sie Euch Kindern die Schleife beigebracht und es über Nacht wieder verlernt hat. Was wart Ihr Kinder stolz, als sie es mit Eurer Hilfe wieder geschafft hat, eine Schleife zu binden. 🙂

Du erinnertest dich daran, wie stolz du warst, als du vom Kindergarten alleine nach Hause gehen durftest und nicht mehr abgeholt werden musstest. Du erinnertest dich noch genau an den Moment, als deine Mutter dir sagte, dass es jetzt so weit sei. Dieser unscheinbare Kindergarten birgt für dich so viele schöne Erinnerungen.

Dann kamst du an deiner alten Schule vorbei. Die Erinnerungen an deine Schulzeit – auf einmal waren sie wieder da. Die Angst, die dir in deiner Kindheit und Jugend ein so treuer Begleiter war, stieg wieder in dir hoch. Die Angst davor, dass du etwas falsch machen würdest und deine Mutter wieder zornig auf dich werden würde.  Die stetige Angst davor, dass es nun wieder Ärger geben würde, weil du nicht gut genug seist. Dein verzweifelter Wunsch, alles richtig zu machen. Doch ist es dir nur selten gelungen.

In dieser Zeit hast du hast gelernt, deine Antennen nach außen auszurichten und die Stimmung des anderen zu erspüren. Diese Fähigkeit hast du nahezu perfektioniert. Du kommst in einen Raum und spürst den Streit von vorhin nahezu körperlich. Du siehst einem Menschen in die Augen und siehst seinen Kummer hinter seinem Lächeln. Du sorgst dich sehr darum, dass es den Menschen in deinem Leben gut geht. Doch wer sorgt sich um dich?

Wenn wir miteinander reden, spüre ich dein Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Ich spüre deinen Wunsch, alles richtig zu machen. Und ich spüre deine Distanz, die du zu dir und deinen ureigenen Wünschen hast. Ich spüre, wie sehr du dich immer wieder zurück nimmst und andere Menschen für wichtiger erachtest.

Ich spüre, wie du unter deiner Strenge dir selbst gegenüber leidest. All das spüre ich so deutlich. Und es berührt mich. Du bist so ein feiner Mensch. Ich spüre, dass in dir eine zarte, sanfte Seele wohnt. Ich spüre, wie sehr du dir wünschst, diesem Teil von dir mehr Raum zu geben – doch weißt du nicht, wie.

Wenn ich dich sehe, denke ich ganz oft „wow“ und frage mich, wie du all das geschafft hast. Ich finde es grandios, dass du das, was du dir vornimmst, einfach umsetzt. Du zauderst nicht, du zögerst – wenn überhaupt – nur kurz. Du sagst, dass du selbst nicht weißt, wie es dir gelingt. Nimm es an. Klopfe dir einfach mal selbst auf deine Schulter und gib dir ein anerkennendes Wow.

Du bist so ein einfühlsamer Mensch. Ich wünsche dir, dass du dieses Einfühlungsvermögen für dich selbst nutzt. Ich wünsche dir, dass du dich voller Liebe und Anerkennung ansiehst.

Ich wünsche Dir, dass du dir und deiner Mutter die Ereignisse der Vergangenheit vergeben kannst. Dass du die Verletzungen hinter dir lässt. Dass du deine Ängste aus der Vergangenheit in Liebe loslässt. Dass du mit allem Frieden schließt, was dich belastet.

Ich wünsche dir, dass dich an immer mehr schöne Zeiten erinnerst. Dass du in diesen schönen Erinnerungen baden magst. Ich wünsche dir, dass du dir mehr und mehr neue schöne Erinnerungen schaffst.

Besonders doll wünsche ich dir, dass du dem zarten und sanften Teil in dir immer mehr Raum gibst. Es ist eine Freude zu sehen, wie du dich manchmal still und manchmal auch laut freust. Gib dieser Freude einen festen Platz in deinem Leben. Liebe sie. Genieße sie. Zelebriere sie.

Du bist so ein wunderbarer Mensch. Ich wünsche dir von Herzen, dass du dich erkennst.

Fühl dich herzlich umarmt von Birte

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