Menschen, die mit Kindern arbeiten, sollten es aus vollem Herzen tun.

Und die meisten tun es auch. So lange sie können. So lange sie die Kraft dazu haben. Doch irgendwann sind alle Kräfte aufgebraucht. Besonders bei Menschen, die im Kindergarten arbeiten, habe ich das erlebt. Doch wie kommt das? Es ist doch so ein schönes Geschenk, mit den kleinen Kindern zu arbeiten. Mit ihnen zu spielen. Zu basteln. Zu singen. Einzutauchen in eine ganz neue Gedanken- und Erlebniswelt. Zu lachen. Zu lieben.

Wer hat schon die Möglichkeit, sich so in seinen Beruf einbringen zu können? Die Erzieher*innen und Sozialassistent*innen sind äußerst wichtige Menschen im Leben der Kinder. Die Kinder orientieren sich an ihnen und ihren Eltern.

Es ist ein Geschenk des Lebens, dass sie die Möglichkeit haben, das Leben der Kinder zu bereichern. Sie dabei zu unterstützen, ganz sie selbst zu sein. Sie in ihrem Forscherdrang zu unterstützen. Sie beim Wachsen zu begleiten.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Als Erzieher*in / Sozialassistent*in / Heilpädagog*in zu arbeiten heißt auch dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren. Es heißt auch, Missstände zu kompensieren.

Der  Lärm,  das Geschrei, die Tränen, der Streit – all das gehört zum Alltag und ist in der Regel für die Pädagog*innen kein Problem. Allerdings fühlen sich viele erdrückt von den Anforderungen, die an sie gestellt werden.

Oft denke ich, dass es einfach übermenschlich ist, was die Erzieherinnen leisten müssen. Ein Aspekt, unter dem viele Pädagog*innen leiden, ist die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie wünschen sich eine Kooperation und merken dabei gar nicht, wie sie (vereinzelt) die Eltern bevormunden. Ihre Erwartungen auf die Eltern oktroyieren.

Die Pädagog*innen wünschen sich gesehen zu werden und haben dabei auch keinen Blick für ihr Gegenüber.

Die Erzieher*innen leiden, dass Eltern (aus einer individuellen Not heraus) ihre kranken Kinder in die Kita bringen. Dass die kranken Kinder leiden und Ruhe brauchen. Dass sie sich wünschen, bei Mama zu sein. Dass sie die anderen Kinder und Erzieher*innen anstecken. Dass kaum einer sieht, dass die Kinder, die den ganzen Tag in der Kita sind, einen Fulltime-Job haben. Dass die Ganztags-Kinder weniger Urlaub haben als ein Arbeitnehmer. Dass sie das Gefühl haben, dass alle an ihnen zerren – die Eltern, die Kita-Leitung, der Träger – und sie nicht dazu kommen das zu tun, was sie eigentlich möchten.

Mit dem Kind Zeit verbringen. Dem Kind Zeit für seine Entwicklung zu geben. Dem Kind die Möglichkeit zu geben herauszufinden, was es möchte.  

Immer häufiger werden die Eltern als fordernd erlebt. Immer häufiger höre ich von einigen Eltern, dass sie gar nicht mehr sagen mögen, was sie stört. Dass ihnen keiner zuhört. Dass sie einfach nur das wollen, was ihnen zusteht. Immer häufiger bekomme ich den Eindruck, dass sich da Gegner gegenüber stehen. Kampfbereit.

Dabei geht es doch allen Beteiligten um das Kind. Es geht ihnen um das Wertvollste, was es im Leben gibt. Alle Beteiligten wollen das Beste für das Kind. Jedoch sind sie sich nicht einig, was das Beste ist. Beide Seiten fühlen sich nicht gesehen und nicht anerkannt. Beide Seiten geben ihr Bestes und haben trotzdem das Gefühl, dass es nicht reicht.

Ich bin überzeugt davon, dass ursächlich dafür der Druck, die Überlastung, die Erwartungen, denen sie sich ausgesetzt fühlen, ist. Die Eltern haben ihre Belastungen – die Pädagog*innen ebenfalls. Ich bin mir sicher, dass die betroffenen Eltern darunter leiden, dass sie ihr Kind krank in die Kita bringen müssen. Weil sie nicht schon wieder bei der Arbeit fehlen können. Weil sie niemanden haben, der das Kind zu Hause versorgen könnte. Viele Eltern möchten ihr Kind so gut wie es geht, auf das Leben vorbereiten. Doch sehen sie auf ihrem Weg mehr Hürden und mehr Probleme, als einen freien Blick.

Wäre es nicht schön, wenn wir wieder mehr aufeinander zugingen? Wenn wir unser Gegenüber als Partner sähen und gemeinsam Lösungen fänden?

Dass das geht, zeigen die vielen positiven Beispiele, wo es mit der Zusammenarbeit klappt. Wo sich die Erzieher*innen mit den Eltern vertrauensvoll absprechen. Wo die Erzieher*innen den Eltern entgegen kommen und umgekehrt.

Ein wesentlicher Faktor für diese Schwierigkeiten ist aus meiner Sicht, dass alle Seiten dauerhaft überlastet sind. Dass Arbeitnehmer immer mehr über ihre  Grenzen gehen. Dass wir es verlernt haben, auf unseren Körper zu hören und auf die Bremse zu treten. Dass wir ein Teil dieses höher-schneller- besser-Spiels sind und in der Regel erst dann aussteigen, wenn wir uns völlig verausgabt haben oder etwas ganz gravierendes passiert ist, was uns zur Besinnung bringt.

Der Fachkräfte-Mangel in den Kitas hat zur Folge, dass die Erzieherinnen dauerhaft über ihre Grenzen gehen müssen. Doch das geht nur eine Zeitlang gut. Immer mehr Menschen kommen jetzt an den Punkt, an dem sie nicht mehr können. An dem sie nur noch das Nötigste machen, weil mehr einfach nicht mehr geht. Die Leidtragenden sind wir alle. Die Kinder, die unter diesen Bedingungen ihren Tag verbringen. Die Erzieherinnen, die es mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren können. Die Eltern, die sich etwas anderes für ihre Kinder wünschen. Wir als Gesellschaft, weil wir in den nächsten Jahren mit den Konsequenzen leben müssen.

Es wird Zeit, dass wir umdenken. Dass die Kinder den Stellenwert bekommen, der ihnen gehört. Dass die Menschen, die mit den Kindern arbeiten, die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Dass die Eltern die Entlastung bekommen, die sie brauchen.

Lasst uns kreative Lösungen finden. Gemeinsam. Miteinander. Lasst uns fürsorglich mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umgehen. Lasst uns wertschätzend mit uns selbst und unseren Mitmenschen umgehen. Lasst uns ein friedliches und achtsames Miteinander gestalten.

 

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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